Ansicht eines siebenachsigen Lettners mit Galerie Zeichnung uri icon

Corfey, Lambert Friedrich von
(Zeichner_in) zugeschrieben an
1707

Feder, Graphitstift, Pinsel, laviert auf Papier

Aktuelle Inventar-Nr.

  • m D Z 3: 6

Alte Inventar-Nr.

  • m D Z 3

Stilistische Einordnung

Beschriftung

  • Beschriftung auf Darstellung
    Transcription: Verso, oben links (Feder): 131. / Arch.
    (Inventarnummer)
    Kommentar: Kommentar: Blattnummer bezieht sich auf ehemaliges Konvolut in einer Mappe, heute größtenteils StadtA Hannover, Fach 506 (ehem. Fach 86)
  • Beschriftung auf Darstellung
    Transcription: unten rechts (Feder): moduli
    (Maßstab)
  • Beschriftung auf Darstellung
    Transcription: unten rechts (Feder): Ao 1707
    (Datierung)
  • Beschriftung auf Darstellung
    Transcription: unten links (Feder): pedes
    (Maßstab)

Maße

  • Blatt: 30,4 cm x 53,2 cm
  • Träger: 48,6 cm x 65,2 cm
  • Darstellung: 24,3 cm x 40,6 cm

Beschreibung

  • Bei der Ansicht einer Lettnerarchitektur handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Entwurf des Münsteraner Militärbaumeister Lambert Friedrich Corfey (1668-1733) für den Münsteraner St. Paulus-Dom. Der Architekturhistoriker Hans Josef Böker konnte 1990 nachweisen, dass der Entwurf gemeinsam mit einem weiteren Blatt aus der Sammlung ursprünglich aus einer Folge von Zeichnungen stammt, die von Corfey selbst oder in seinem Umfeld in einem Klebealbum zusammengestellt worden waren. Weitere Zeichnungen daraus befinden sich heute im Stadtarchiv Hannover.

    Die Gliederung als fünfachsige offene Arkatur zwischen geschlossenen Seitenfeldern entspricht der des spätgotischen Lettners (erbaut 1542-1549) im Dom, so dass Corfeys Vorschlag wahrscheinlich als eine Überformung gedacht war. Hans Josef Böker vermutet, dass das auf das Jahr 1707 datierte Blatt als Präsentationszeichnung intendiert war, mit der sich Corfey anlässlich der Bischofswahl im Jahr davor für künftige fürstbischöfliche Dienste empfehlen wollte. Inwieweit dabei die beiden dargestellten Heiligenfiguren, bei denen es sich um St. Helena und St. Gereon (oder St. Longinus) handeln könnte, einem programmatischen Konzept folgen, bleibt unklar.

    Corfey konnte in der Zeit seines Wirkens einige wenige bedeutende Projekte realisieren, darunter die 1708 bis 1725 ausgeführte Dominikanerkirche in Münster. Für die architekturgeschichtliche Forschung von hohem Aussagewert ist sein Bericht zu der ausgedehnten Studienreise, die ihn zwischen 1698 und 1700 nach Frankreich und Italien führte. In seinen Projekten wie dem hier gezeigten Lettnerentwurf spiegeln sich unmittelbar Bauten der italienischen Renaissance und des klassizistischen französischen Barock, die Corfey auf der Reise kennengelernt hatte. Corfey erweist sich damit als Vertreter einer klassizistischen Strömung um 1700 und als ein bedeutender Vermittler dieser Architekturformen in Nordwestdeutschland.

Erfasser_in

  • Simon Paulus

Sekundärliteratur

  • Böker, Hans Josef: Eine Planung Lambert Friedrich Corfeys für Schloß Nordkirchen, in: Westfalen, 68.1990, 89-100
  • Böker, Hans Josef: Unbekannte Planzeichnungen Lambert Friedrich Corfeys 1989, in: Westfalen, 67.1989, 171-183
  • Paulus, Simon: Zwei Grundrisse und Ansichten zu einem herrschaftlichen Gebäude, Katalog-Nr. D 08 in: Markus Jager und Simon Paulus (Hg.): Architekturzeichnungen der Sammlung Haupt, Petersberg 2023, S. 167
Technische Informationsbibliothek (TIB), Public Domain Mark 1.0